Interview Industrie- und Handelskammer

Nachgefragt! Georg Milo, Ausbildungsberater der Industrie und Handelskammer Nordschwarzwald, im Gespräch mit „Mein Karriere Start“

Mein Karrierestart: Wie stellt sich die Ausbildungssituation hier in Pforzheim und der Region dar?

Georg Milo: In Pforzheim und der Region Nordschwarzwald haben wir seit Jahren stabile Ausbildungszahlen auf hohem Niveau. 1997 hatten wir 5092 Auszubildende, 2016 waren es 6415. Aktuell gibt es rund zweihundert freie Ausbildungsplätze für 2017. Es werden vor allem Groß- und Außenhandelskaufleute, Industriekaufleute, Mechatroniker, Industriemechaniker und Fachinformatiker gesucht.

Mein Karrierestart: Welche Stärken/Fähigkeiten/Interessen sollten Bewerber für einen kaufmännischen Beruf mitbringen?

Georg Milo: Kaufmännische Ausbildungen umfassen nicht nur viele Ausbildungsberufe, sondern auch zahlreiche Branchen. In der Industrie und im Handel sind sie hauptsächlich vertreten, aber auch im Bankwesen, Tourismus und Handwerk. Entsprechend der Branchen sind die Ausbildungsinhalte vielseitig und verlangen vielfältige Fähigkeiten. Wer sich für einen kaufmännischen Beruf interessiert, sollte folgende Dinge in jedem Fall mitbringen: Interesse an betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen. Kommunikationsstärke, diese ist beim Führen und Verstehen von Gesprächen beispielsweise mit Kunden oder Auftraggebern, persönlich oder am Telefon, von besonderer Wichtigkeit. Ebenso wichtig sind neben einem ausgeprägten Textverständnis ein gutes schriftliches Ausdrucksvermögen und Rechtschreibsicherheit. Zu den Fähigkeiten die ein Bewerber mitbringen sollte gehören neben Teamfähigkeit auch selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten sowie ein gutes mathematisches Verständnis. Für die meisten Ausbildungen im kaufmännischen Bereich wird ein guter Realschulabschluss vorausgesetzt, manche Betriebe nehmen bevorzugt Abiturienten.

Mein Karrierestart: Wieso ist es in jedem Fall lohnenswert eine Berufsausbildung zu beginnen?

Georg Milo: Wer eine Ausbildung anstatt eines Studiums wählt, ist nahezu immer früher fertig und verdient somit schneller sein eigenes Geld. Mit dem ersten selbstverdienten Geld steigt die finanzielle und vor allem auch die persönliche Unabhängigkeit bzw. Selbständigkeit. Eine Ausbildung ist leichter zu finanzieren als ein Studium. Der erste Schritt ins Berufsleben ist nach einer abgeschlossenen Ausbildung bereits getan. Für Absolventen einer Hochschule steht der Einstieg in die berufliche Praxis noch bevor. Wer grundsätzlich lieber praktisch als theoretisch arbeitet, sollte es deshalb eher mit einer Ausbildung versuchen. Die Verdienstmöglichkeiten mit einem Ausbildungsberuf sind später mit dem einer Hochschulqualifikation mindestens gleichwertig zu setzen.