Nachgefragt! Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, im Gespräch mit „Mein Karrierestart“.

Mein Karrierestart: Wie stellt sich die Ausbildungssituation hier in Pforzheim und der Region dar?

Martina Lehmann: Im Nordschwarzwald und auch in Pforzheim hat sich auf dem Ausbildungsmarkt ein Bewerbermarkt etabliert. Das heißt, es gibt mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber. So kommen derzeit im gesamten Agenturbezirk rein rechnerisch auf 100 Bewerberinnen und Bewerber insgesamt 108 und im Raum Pforzheim sogar 131 zu besetzende Ausbildungsstellen. Wir unternehmen viel, um Betriebe und Bewerber zusammen zu bringen. Bestes Beispiel ist unsere jährliche Aus- und Weiterbildungsmesse „Beruf aktuell“ in Pforzheim.

Mein Karrierestart: Es gibt Berufe, die sind begehrt, andere werden kaum beachtet. Gibt es Branchen, die mehr Beachtung verdienen?

Martina Lehmann: Ja, die gibt es. Berufe im Handwerk oder in der Gastronomie sind bei den Jugendlichen weniger gefragt, obwohl diese Branchen hervorragende Karrieremöglichkeiten bieten.

Mein Karrierestart: Generell bewerben sich immer weniger junge Menschen auf eine Lehrstelle im Handwerk. Wo legen die Probleme aus ihrer Sicht?

Martina Lehmann: Trotz zahlreicher Kampagnen und Aktivitäten, auch der Agentur für Arbeit, ist das Handwerk in vielen Köpfen noch immer mit schwerer körperlicher Arbeit und schlechterer Bezahlung als in der Industrie verbunden. Das entspricht so zwar nicht der Realität, wirkt sich aber auf das Berufswahlverhalten junger Menschen nach wie vor aus.

Mein Karrierestart: Wieso ist es in jedem Fall lohnenswert, eine Berufsausbildung zu beginnen?

Martina Lehmann: Mehrere Arbeitsmarktstudien belegen, dass das Risiko arbeitslos zu werden bei Menschen ohne Berufsabschluss viermal höher liegt als bei denen mit einem Abschluss - und eine Berufsausbildung zahlt sich auch finanziell aus: Laut einer Studie unseres Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verdienen Beschäftigte mit einer abgeschlossenen Ausbildung in ihrem Leben im Durchschnitt rund 250.000 Euro mehr als ungelernte Kräfte. Zudem ermöglicht eine Berufsausbildung den schnellen Zugang zu Aufstiegsfortbildungen (Meister, Techniker, Fachwirt, ...), die sich nach erfolgreicher Teilnahme auch auf das Gehalt und die Karrierechancen auswirken. Eine Berufsausbildung ist also nicht nur die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, sondern auch eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufs- und Lebensperspektive.

Mein Karrierestart: Welche Möglichkeiten der Weiterbildung habe ich während/nach meiner Ausbildung?

Martina Lehmann: Da gibt es in unserer Region sehr viele Möglichkeiten. Angefangen von Anpassungsweiterbildungen, die helfen, beruflich auf dem Laufenden zu bleiben, was mit Blick auf die Arbeitswelt 4.0 zunehmend wichtiger wird, über Aufstiegsweiterbildungen wie Meister, Techniker, Fach- und Betriebswirte oder Fachkaufleute bis hin zu einem Studium.